
Zeltlager
Das Zeltlager ist unser KjG-Highlight im ganzen Jahr und treibt die Leidenschaft der KjG an. Zwei Wochen im Freien ohne Strom und Netz zu zelten – schlimmer geht es für Jugendliche eigentlich nicht. Aber jeder, der einmal mitgefahren ist, weiß, dass genau das die schönsten zwei Wochen der Ferien sein können.Ohne großen Luxus machen wir uns jedes Jahr am Anfang der vierten Sommerferienwoche auf den Weg ins wunderschöne Sauerland. Zwischen dunklen Tannen und saftigen Wiesen, ganz in der Nähe von Twismecke, befindet sich unser wunderschöner Zeltplatz an der Ilpe.

Die Vortour beginnt – eine Woche nur die Leitenden, die im Sauerland ganz alleine aufbauen, planen und vorbereiten.Der LKW mit den Zelten und Materialien schafft es nur schwer über den löchrigen Feldweg hinunter zu unserer Wiese. Und sobald er geparkt hat, geht es los: Unzählige Kisten, riesige Töpfe, schwere Säcke mit Zelten, unendlich viele Bierbänke und vieles mehr, was mehr oder weniger seinen Nutzen im Zeltlager hat, werden ausgepackt und sortiert.Ein paar fleißige Leiter fangen in der Hitze an, die ersten Zelte aufzubauen, während andere die großen Pavillons errichten, um danach die Küche einzurichten. Holz holen, einkaufen und kochen muss bereits am ersten Tag erledigt werden, doch da jeder seine festen Aufgaben hat, läuft das wie am Schnürchen.Ganze drei Tage dauert es, das Zeltlager aufzubauen. Die sechs Pavillons und größeren Zelte sowie 15–18 Igel und Pyramiden bauen sich nun mal nicht von alleine auf. Doch auch die Bachstelle, die Feuerstelle und ganz wichtig: unsere Toiletten müssen aufgebaut werden. Danach haben wir Leitenden auch mal Zeit, entspannt auf der Wiese zu liegen und noch ein paar Sachen fürs Zeltlager zu besprechen.

Nach sechs Tagen, am Sonntag, ist es dann soweit: Noch schnell den Zeltplatz aufräumen, die Schilder vor den Zelten in den Boden schlagen – und schon sieht man sie. In der Ferne tauchen die ersten Kinder auf. Der Bus ist angekommen, und jetzt muss nur noch der Feldweg gelaufen werden, da der Bus diesen nicht schafft. Neugierig und ein bisschen aufgeregt stellt sich die Leitungsrunde den Kindern vor. Die meisten kennen uns schon, doch ein paar neue Gesichter sieht man immer. Name, Alter, Jahre bei der KjG und Schuhgröße sind geklärt, jetzt werden noch einmal die wichtigsten Regeln aufgezählt – und dann geht es schon los. Die Zelte werden zugeteilt und die Kinder richten sich ein.
Sofort wird der Küchenplan inspiziert – hoffentlich muss mein Zelt nicht dreimal Küchendienst machen! Und schon geht es los mit den ersten Kennenlernspielen – der Standard am ersten Tag, wie soll es auch anders sein.
Am Abend gibt es wie immer Hot Dogs, mit Fleisch und ohne. Wer wohl die meisten schafft? Doch nach zehn musste auch der stärkste Leiter aufgeben. Wenn es langsam dunkel wird, ist es Zeit: Das Feuer wird angemacht, die Kinder ziehen sich warm an und die erste Liederrunde beginnt. Noch leise singen die Kinder, weil die Stimme nach einem Jahr ein bisschen eingerostet ist. Die Leiter singen lauthals mit und der Gesang hallt durchs Tal.
Früh am Morgen – zu früh, wie manche sagen – ist es Zeit aufzustehen. Die Brote sind bereits geholt, die ersten Leiter waren schon im Bach schwimmen und die Aufstehmusik ertönt. Müde krabbeln die einen aus ihren Zelten, andere sind schon eine ganze Weile wach und spielen die ersten Spiele.
Und so vergehen die ersten Tage wie im Flug: Spiele spielen, Sterne gucken und hin und wieder ins Schwimmbad, um zu duschen. Frei von allen Sorgen erlebt man jeden Tag etwas Neues.

Die Highlights sind neben der Liederrunde jeden Abend das Tagesgeländespiel (TGS), der Ausflug und – ganz wichtig – der Überfall. Dieser findet meist am Samstag in der Mitte der zwei Wochen statt. Die ehemaligen Leiter schleichen sich nachts leise an und versuchen, das Banner zu klauen und eventuell noch ein paar Zelte abzubauen – doch wir sind natürlich nicht unvorbereitet.Bei der Liederrunde wird extra laut gesungen und am Ende gibt es ein lautes „Huk-Alele“ (unser KjG-Ruf). Jetzt wissen die Überfaller, dass wir viele sind und uns nicht so schnell geschlagen geben. Nun heißt es: schnell bettfertig machen, damit die Nachtwachen auf Position gehen können. Im Dunkeln legen sich die Kinder mit ein paar Decken an bestimmte Stellen auf die Wiese und beobachten die Dunkelheit, um vielleicht einen der Überfaller zu entdecken. „AAALAAARRRM!!!“ tönt es plötzlich durch die Nacht. Ein Überfaller rennt auf den Zeltkreis los und die Leiter rennen schnell hinterher. Nun heißt es, den ehemaligen Leiter zu fangen und sicher ans Lagerfeuer zu bringen.
Am Ende sind alle gefangen und den Überfallern ist es nicht gelungen, das Banner zu klauen. Doch am nächsten Morgen ist es schon früh laut auf dem Zeltplatz: Die Überfaller haben noch für ordentlich Chaos gesorgt und wecken die Kinder viel zu früh. Doch ein guter Teilnehmer weiß – er muss nur auf die richtigen Leiter hören.

Am Mittag fährt ein weiteres Auto auf den Zeltplatz. Wer das wohl sein mag? Es ist Sonntag und der Pfarrer unserer Gemeinde hat sich auf den Weg gemacht, um mit uns im Sauerland einen Gottesdienst zu feiern. Doch alleine ist er nicht: Er hat eine Menge Pakete und Geschenke dabei – für jedes Kind ist etwas dabei. Darauf haben alle gewartet: die Pakete der Eltern sind da. Zwischen ein paar Süßigkeiten und frischen Unterhosen findet sich auch eine Karte: „Wir vermissen dich…“. Nach so einer langen Zeit gar keinen Kontakt zu den Eltern zu haben, ist meist schwer, doch oft ist gar keine Zeit für Heimweh, da man so viel erlebt. Den Eltern fällt es meistens schwerer – zwei Wochen kein Lebenszeichen der Kinder. Doch seit Jahren heißt es: „Solange man nichts hört, geht es dem Kind gut.“
Die letzten Tage beginnen. Nach einem tollen Ausflug – einem Besuch in Meschede – wird es langsam Zeit, den Zeltplatz aufzuräumen und die ersten Zelte abzubauen. Während die Kinder im Schwimmbad sind, bauen die Leiter den Zeltplatz ab. Zelte werden eingepackt und die großen Pavillons zusammengestellt. Eine Nacht muss noch hier geschlafen werden – doch das passiert in zwei großen Zelten: Alle Jungs schlafen in dem einen und alle Mädchen in dem anderen Pavillon. Die Leiter quetschen sich zusammen ins Gerätezelt. Die Liederrunde findet heute nicht statt. Stattdessen wird noch einmal getestet, wer besser ist: die Teilnehmer oder die Leitungsrunde. In einer kleinen Show wird das mit Spielen wie Gummibärchen fangen, Nageln oder Wasserexen auf die Probe gestellt. Doch viel wichtiger: Wer wird Mr. und Mrs. Twismecke?

Im Bus werden noch die Lieder gesungen und manche schlafen die Aufregung der letzten Tage aus. Wir fahren von der Autobahn ab, hoch hinauf auf den Venusberg. Vor dem Gemeindehaus stehen schon alle Eltern und warten sehnsüchtig auf ihre Kinder. Der Bus kommt zum Stehen und die Kinder fallen glücklich in die Arme ihrer Eltern. Schnell wollen alle nach Hause, um von den letzten zwei Wochen zu erzählen – doch das Gepäck fehlt noch. Es ist gaaaanz hinten im LKW. Da müssen wohl noch einmal alle mit anpacken und helfen, diesen auszuräumen.
Doch nun ist es geschafft: Der LKW ist leer, alle Kinder sind zu Hause und wir Leitenden gehen ein letztes Mal gemeinsam essen und erzählen von den lustigen Ereignissen im Zeltlager.